So war's gemeint. So war's erdacht: Bunkerslam 54
Das war alles in allem ein ganz wunderbarer Slam am Mittwoch im Bunker Ulmenwall in Bielefeld. Bereits in der 54. Auflage präsentierten sich sowohl Moderatoren, als auch das Publikum und vor allem die Slammer und, Achtung: Slammerinnen! in Bestlaune. Ein toller Abend mit einigen Höhepunkten:
- Unser lieber Sparrenblogger Rouven Ridder legte mit seinem Text über aufmüpfige Unterwäsche den bislang überzeugendsten Auftritt seiner Slam-Karriere hin. In einem anderen Starterfeld wäre da mehr drin gewesen. Super!
- Die Neuentdeckung des Abends? Barbara Rademacher. Mit einem perfekten Slam-Text über „Halbe Sachen“ mit dem Satz des Abends: „Ich kaufe mir zweimal die gleiche 50 Cent, dann habe ich eins.“ (Ein klitzewenig stolz war ich schon, kam sie ja direkt aus dem VHS-Kurs den Marc und ich gegeben haben.)

- Pauline Füg! Es ist einfach immer wieder so schön, Pauline zuzuhören und zuzusehen. Mit ihrem Liebesgedicht an Justus Jonas zog sie sodann auch gleich, wenn auch knapp, an Barbara vorbei ins Finale gegen Maik Martschinkowski.
- Und dann: Ich in auswendig! Es ist nicht übertrieben, wenn ich behaupte, dass ich auf diese 6 Minuten zwei Monate hingearbeitet habe. Vielleicht sogar die ganzen 5 Jahre, die ich jetzt slamme. Nur einmal wollte ich wissen, wie das ist: Auswendig. Und es hat gepasst. Alles. Jede Silbe stand an der Stelle, an der sie stehen sollte. Jede Pause war so lang, wie sie musste und durfte. So ekstatisch hatte ich mich zuletzt auf der Bühne gefühlt, als ich 2006 den Highlander in Bielefeld gewinnen konnte. So muss Slam sein! Danke Steffi für die „Aufgabe“. Auch wenn ich damit nicht ins Finale kam, auch wenn Barbara den Highlander-Startplatz bekommen hat: Ich bin Stolz bis unter die Schädeldecke. (Der Rest ist Bunkerslam. Da gelten Regeln, die so einen Text nicht zulassen. Nicht, wenn man gewinnen will. Nur, wenn man obsiegen will.) Das mache ich nochmal.
Und noch? Unerwähnt bleiben sollen natürlich nicht die anderen Streithähne: Volker Mersch mit Lyrik und Glasiator mit einer, auch da will ehrlich sein, schwächeren Leistung. Den Abschluss bildete Yasmin mit einem Erfahrungsbericht, über den Mischa treffend sagte: „Wenn man dabei war, war es sicherlich sehr lustig.“
Letztlich siegte Maik Martschinkowski gegen Pauline Füg, was ich schade finde. Nicht, weil Maik das nicht gegönnt ist, aber weil Paulines Texte einfach zum Besten gehört, was auf deutschen Slam-Bühnen zu finden ist. Auch, wenn sie den „Zauberspruch“ nicht aufsagen wollte. Aber immerhin hat sie mit „Orientierungslos“ Steffis liebsten Slam-Text gemacht.
Toller Abend.
Bunkerslam halt.
Mehr Fotos folgen.
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Ja. Sacha. Das Wort „ernst“ finde ich entsetzlich. Das klingt immer wie eine Drohung: Jetzt dürft ihr euch nicht unterhalten fühlen. Mir geht es vielmehr um die Unterscheidung von „gut“ und „schlecht“. Mischas Texte zum Beispiel, und ganz bestimmt auch Deine, sind exzellent bis auf die letzte Silbe. Das ist Kunst. Das ist Stil. Das hat Stil. Aber einen passablen lustigen Text zu schreiben ist leichter, als einen passablen „ernsten“ Text. Das weiß ich schlicht aus Erfahrung. Zum Beispiel ist mein aktuell „lustiger“ Text „Hartmann will kein Spießer mehr sein“ innerhalb von zwei Abenden entstanden, einer meiner Publikums-Favorieten „Teewurst“ gar innerhalb von zwei Stunden. Mein aktuelles Stück „Kurz vor Toresschluss doch noch ein Liebeslied“ hingegen brauchte zwei Monate, zahlreiche Durchläufe und so weiter. Wir können das mal bei einem Bier klären. Ich weiß, du wirst mich danach verstehen. (Unter uns: Ist doch alles nur Spaß. Der Rest ist jugendlicher Eifer. ;-)
ja, das ist müßig. der eintrag in meinem blog auf den mischa sich bezieht, hat auch nichts mit der diskussion hier zu tun.
ich persönlich denke, dass jeder gute text eine chance hat. auch einer der "ernst" ist. dabei sollte vielleicht endlich einmal geklärt werden, was dieses "ernst" eigentlich bedeuten soll. Das fehlt mir bei den diskussionen, die alle paar wochen auch bei gsa auftauchen nämlich total.
ich habe das gefühl, dass wenn ihr oder wenn markus den begriff "ernst" verwendet, er damit texte meint, die mehr transportieren als witzige texte. was immer dieses Mehr auch ist (tiefergehend, essenzieller, wichtiger?) das finde ich nicht so gut, denn meiner erfahrung nach können auch witzige texte "ernste" inhalte transportieren.
ich finde den schritt, zu sagen, dass es "ernste" und witzige literatur oder was auch immer gibt einen schritt zurück, denn seit den vierziger jahren haben autoren gegen diese unterteilung in e- und u-literatur angearbeitet, seien es die beatniks, die popliteraten der sechziger, die autoren, die in zuge der punkbewegung geschrieben haben oder halt anfang der neunziger die autoren der poetry slams und lesebühnen. dazu gehört, dass auch "ernste" texte witzig sein können. dass das altägliche ein wichtiger bestandteil des lebens ist. und dass humor genau so dazugehört wie das tragische oder das pathetische, dem ja auch von teilen der bielefelder slammer gefröhnt wird.
ich kann nur sagen, dass wenn ich weiß, dass "ernste" texte beim slam keine chance haben (wozu ich leider nichts sagen kann, denn so oft bin ich auch nicht da) dann suche ich mir andere orte an denen ich das etablieren kann. denn, und das weiß ich aus erfahrung, man kann sich sein publikum auch dressieren. auch ganz unbewusst. beim zirkeltraining oder auch bei sitzen 73 erwartet das publikum auch keine "ernsten" texte. das liegt aber daran, dass wir das nie eingeführt haben und dass es jetzt einfach schwierig wäre, das einzuführen. und so ähnlich wird es beim poetry slam auch sein, was die ständigen diskussionen darüber ja beweisen.
so, frohe weihnachten
@irsgin: Das ist alles sehr müßig. Es gewinnt der Text, der dem Publikum am besten gefallen hat. So ist das. Wenn wir „Poetry Slam“ als Kunstform etablieren wollen, müssen wir das akzeptieren, nein sogar: Voraussetzen. Denn wenn es eines in der Kunst nicht gibt, dann einen Konsens. Vor allem nicht beim Rezipienten. Der eine hält Picasso für ein Genie, der nächste für langweilig und der dritte für Schrott. Und jeder einzelne wird die Meinung des anderen niemals verstehen. Also: Lass dir deine Meinung nicht nehmen. Und lass den anderen die ihre. Ab dann fängt es an Spaß zu machen. Und das ist das was Kunst sollte: Das Leben schöner machen.
Ach, ich habe noch was vergessen:
"denn auch Rouven hat mit einem guten lustigen Text gegen Pauline verloren."
Sollte die Liebesode an Justus Jonas nicht lustig sein? Habe ich das mal wieder nicht kapiert?!?!?!
@ Mischa:
Dann habe ich
''In 9 von 10 Fällen verliert ein sehr guter ernster Text gegen einen sehr guten witzigen Text, ''
evtl. falsch verstanden.
Ich persönlich fand die Texte von Maik am Mittwoch sehr lustig / amüsant /kurzweilig. Ich finde deine Texte noch viel besser, aber wenn eben mal zwei gleichgute Texte da sind, wo einer ernster ist und der andere lustiger, ist es eben mein Empfinden (in meiner kurzen Zuhörerkariere), dass dann der witzige Text IMMER gewinnt. Ich dachte, dass würdest du auch so sehen, habe dich da vielleicht falsch verstanden.
Ich fände es eben gut, wenn dann bei zwei gleichguten Texten mal der witzige und mal auch der ernste Text gewinnen würde (jetzt mal so einfach und plakativ ausgedrückt). Einfach aus dem Grund, weil ich befürchte, dass es sonst nur noch witzige Texte gibt (denn mti den anderen gewinnt man ja nicht) und das wäre auf Dauer doch wohl auch langweilig, oder? Außerdem haben es die anderen Texte doch auch verdient.
Btw. Ich fand das von Yasmin vorgetragene gar nicht sooo übel.
JA! DA IST SIE WIEDER, DIE DISKUSSION ... Und es sind immer die lustigen Vertreter die sich auf den Schlips getreten fühlen. Mischa, jeder kann gut finden, was er will. Und ich höre lieber Pauline als Maik zu. Das ist mir zu leicht. Bei Deinen Texten ist das was anderes. Da ist nichts gegen dich. „Helga“ muss man nämlich erstmal schreiben. Oder „Slayer“. Aber so einen „Ich finde Polizisten doof und Polizisten sind doof“-Kram? Kann ich auch. Will ich nicht. Ich hasse meine Teewurst!
@airsign: es ist eben NICHT so, dass lustige Sachen grundsätzlich gewinnen. Siehe Jasmin. War lustig gemeint, hat aber haus hoch gegen Markus verloren. Die lustigen Sachen müssen eben sehr gut sein um sich durchzusetzen, denn auch Rouven hat mit einem guten lustigen Text gegen Pauline verloren. Es wird sich in meinen Augen zu einfach gemacht, wenn man Poetry Slam-Siege auf diese simple Formel reduziert, dass lustig immer gewinnt, auch wenn es oft so ist. Letztendlich setzt sich eben gut durch. Und gut ist, was fesselt, die Leute bewegt, unterhält und einen schönen Abend bereitet, scheiß egal ob lustig oder ernst. Dass es dabei öfter mal der lustige Text ist, der sich durchsetzt, ist eben so. Die Menschen wollen lieber lachen, siehe brohms aktuellen Beitrag. Und da möchte ich kein "leider" hören, da das eine Abwertung guter lustiger Texte ist.
@@irsign: Dann schrei lauter! ... Ansonsten „Danke!“ für all das Lob. Direktes Lob ist so viel geiler als anonymes Klatschen. Ich bleibe am Ball.
Bin ja noch nicht so lange dabei, aber das ernstere Sachen gegen lustige Sachen oft keine Chance haben, ist mir auch schon aufgefallen und ich finde das sehr Schade.
Glückwunsch noch mal. Aber hm. Ich muss, was die Bunkerslam-Regeln angeht, widersprechen. Es ist zwar schon so, dass in Bielefeld ernste Texte "besonders schlecht" ankommen. Aber nach diesem Slam-Tour-Jahr durch ganz deutschsprachiges Europa bleibt eins festzuhalten. In 9 von 10 Fällen verliert ein sehr guter ernster Text gegen einen sehr guten witzigen Text, das ist nicht bielefeldspezifisch, das gilt offenbar für ganz Deutschland und sogar die Schweiz (siehe mich). Und das heißt nicht, dass der ernste Text nicht ankommt, im Gegenteil. Vergleiche Bielefelder Blogs nach dem Slam im Bunker, du und Pauline werden sehr gelobt. Aber offenbar haben die meisten Menschen Sorgen genug, und wenn sie jemand für fünf Minuten zum Lachen und Vergessen bringt, bleibt das offenbar mehr haften. Und sowieso, da sind wir uns ja eh einig, wer ernste und persönliche Texte bringt um zu gewinnen, schreibt diese aus den falschen Gründen.
Dies hier ist schamlos und komplett von _ben geklaut. Der findet das aber großartig.














