Zeichnen, du eifersüchtige Zippe!
Es war vor vier Wochen, als irgendwie alles über mir zusammenbrach wie der Himmel über Majestix. Es war alles zuviel und nichts genug. Und was ich dagegen tat, war mit voller Wucht auf die Bremse zu treten und alles sein zu lassen. Ganz bewusst und für mich. Ohne dabei zu verkrampfen, dogmatisch zu werden. Kein privates Sabbatical. Kein „Mein neues Leben XXL“. Einfach nur mal stehenbleiben und durchatmen und die Dinge zur Seite schieben, die in mir tobten: Schreiben, Live-Poetry, Arminia, Programmierung, Zeichnen. Und noch wesentliches mehr.
Einfach mal wieder die Rübe frei kriegen!

The Perception of Johnny Punter, nach einem Song von Fish, 1997
Habe ich gemacht und war gespannt, welches der Dinge, denen ich einen Laufpass gegeben hatte, sich als erstes wieder aufdrängen würde. Denn dann wüsste ich, was mir wichtig war und nicht, was ich mir einbildete wichtig zu sein.
Es hat ein wenig gedauert. Doch so langsam kehren die Sünder heim. Und das Ergebnis hat sogar mich überrascht obwohl das alles doch in meinem Kopf stattfand. Ich hatte gedacht, der Poetry Slam würde an die Tür hämmern. Oder die Schreiberei. Oder Arminia. Doch es war etwas, dass ich längst aufgegeben hatte: Es war das Zeichnen.
Das Zeichnen, das ich nahezu 10 Jahre komplett links liegen gelassen hatte. Erst für den Job, dann für die Schreiberei, für den Slam. Schließlich irgendwie vergaß. Ich merkte das daran, wie verwundert viele Freunde und Bekannte waren, als ich begann ein paar Arbeiten hier zu publizieren. Ich wunderte mich über deren Wundern, dass ich auch zeichnete. Weil sie mich ausschließlich als Slammer kannten. Doch nun war das Zeichnen wieder da. Und zwar mit solcher Wucht, als wäre es nie fort gewesen.
Also habe ich in den vergangenen Tagen darüber sinniert, weshalb das so ist und wie das zusammengehen kann, diese beiden „Haupt-Hobbies“, Zeichnen und Schreiben. Denn das Schreiben will ich nicht sein lassen. Zum einen, weil es mir förmlich den Arsch gerettet hat (das ist eine Geschichte für ein paar Bier mit Tequila), zum Anderen, weil es mir echt lieb und teuer ist. Und das Zeichnen will sich offenbar nicht sein lassen. Also: Wie kriege ich die beiden in einen Raum gesperrt, ohne dass sie sich um das rote Feuerwehrauto streiten?
Die Antwort ist: Indem ich beides auf das reduziere, was ich daraus machen möchte. Bei beidem geht es mir ums Geschichten erzählen. Ich erinnere mich, mit welcher Hingabe ich in den Neunzigern (meinen Zwanzigern) drauf und dran war, einen Comic-Band, zumindest eine „grafische Kurzgeschichte“, zu zeichnen.

Panel aus dem unvollendeten Comic „Straws“, 1992
Es gab damals viele Ansätze, einige gute Anfänge, aber über mehr als zwei Seiten oder einen Haufen Skizzen und Studien bin ich nie hinweg gekommen. Dennoch: Ich wollte immer diese Geschichte erzählen. Über viele Jahre hinweg.
Jetzt ist das wieder da und es fühlt sich entsetzlich aufregend an! Als hätte ich einen alten Freund wiedergetroffen, als würde ich in einer dunklen einer eine lauten Party mit meiner Jugendliebe knutschen (in Spiel, nicht in echt!), als ... ach. Scheißegal.
Es geht um das Kratzen der Bleistiftmine auf dem Papier und wie aus einem weißen Blatt Papier eine Geschichte entsteht. Wo Striche Buchstaben und Farben Sätze sind. Es ist so geil!
Jedenfalls geht das jetzt wieder los.
Und darauf freue ich mich.
Das wollte ich nur los werden.
Mehr nicht.
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Danke!
Sehr geiler Strich!!!
@Stefan: Dann lass mal langsam die Szenen-Beschreibung oder so rüberkommen. Habe ja bald ein richtiges Atelier. Und da ist dann auch Platz für Staffelei und Leinwände. Hurra.
@little james: Danke ... ;-)
@Micha: Oh ja. Oh ja. Und du darfst Dir denken, Deinen Teil durch „Hannah“ dazu beigetragen zu haben, weil „Hannah“ mir gezeigt hat, dass Zeichnen oft mühsam ist, die Mühe letztlich aber belohnt wird.
ha, sehr schön. ich mag deine zeichnungen. und deine texte. gut, dass du dich nicht für eins alleine entscheiden musst.
irgendwo in der schlage steht noch ein revolvermann ohne konturen und der kann ganz böse schussverletzungen in menschen reinschießen.
Sehr gut! :)
Kritzler. Du hast ja so recht. Wenn auch „Ligne Claire“ nicht so mein Stil ist. Bin eher ein Freund von Cam Kennedy oder Frank Miller. Oder natürlich Serpieri.
Schmeiss wech das ganze Action Script, la ligne claire und die olle Sprechblase sind bigger than all of us!
Dies hier ist schamlos und komplett von _ben geklaut. Der findet das aber großartig.














